Am 24. Mai 2026 finden in Las Vegas die „Enhanced Games" statt, ein Sportwettbewerb, bei dem leistungssteigernde Substanzen wie Testosteron, anabole Steroide und Erythropoetin nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht sind.
Die Veranstaltung wirbt mit Wissenschaft, ärztlicher Kontrolle und enormen Preisgeldern von 250.000 US-Dollar für einen ersten Platz und einer Million für einen Weltrekord. Was dabei in den Hintergrund rückt: die langfristigen Herzrisiken und gesundheitlichen Risiken für alle Beteiligten und die Signalwirkung weit über Las Vegas hinaus.
Die Argumente der Veranstalter der Enhanced Games
Die Enhanced Games positionieren sich als eigene Kategorie, nicht als Angriff auf den konventionellen Sport. Doping passiere ohnehin, aber unkontrolliert. Ihre Antwort: Transparenz, ärztliche Begleitung, klinische Studie. Man wolle keine wahllose Einnahme fördern, sondern eine verantwortungsvolle, medizinisch begleitete Nutzung ermöglichen. Athletinnen und Athleten werden vorab untersucht, eine Nachbeobachtung von bis zu fünf Jahren ist geplant.
Was dabei verschwiegen wird: Niemand weiß, ob die eingesetzten Substanzen wirklich sicher sind – die Athletinnen und Athleten sind Teil eines Experiments mit offenem Ausgang. Kardiovaskuläre Langzeitschäden durch anabole Steroide manifestieren sich oft erst nach zehn bis zwanzig Jahren. Eine Nachbeobachtung von fünf Jahren endet genau dort, wo die eigentlichen Risiken beginnen.
Dazu kommt: Die Veranstalter verkaufen auf ihrer eigenen Website Testosteron-Präparate, Produkte zur Gewichtsreduktion und Schlafoptimierung. Der kommerzielle Kern ist unverkennbar.
Welche Herzrisiken drohen durch Doping und anabole Steroide?
Die Botschaft ist simpel: Mit den richtigen Substanzen wird Leistung einfacher. Diese Botschaft richtet sich an alle, die Sport treiben. Die Annahme, dass Doping unter ärztlicher Kontrolle sicher ist, ist wissenschaftlich fragwürdig (1). Langzeitfolgen von anabolen Steroiden sind gut dokumentiert: Herzrhythmusstörungen, Kardiomyopathien, thromboembolische Ereignisse.
Gleichzeitig wird Sport zur Investitionsfrage: wer Zugang zu teuren Therapien und biotechnologischen Ressourcen hat, ist im Vorteil. Chancengleichheit wird durch kapitalgetriebene Selbstoptimierung ersetzt.
Nationale und internationale Sportverbände sowie Anti-Doping-Agenturen lehnen die Wettbewerbe ab. Sie sehen die Integrität des Sports und die Gesundheit der Athletinnen und Athleten gefährdet (2, 3, 4, 5).
Besonders besorgniserregend ist die Signalwirkung auf den Breitensport und den Nachwuchs. Wenn Doping glamourös vermarktet wird, liegt der Gedanke nahe, dass auch Hobbyathleten davon profitieren können – und Kinder wachsen mit einem Körperbild auf, das nur unter künstlicher Aufrüstung „genügt". Die DGSP warnt deshalb ausdrücklich vor den unabsehbaren Folgen für den Nachwuchs (1).
Unsere Haltung als Sportkardiologie-Praxis
In unserer Praxis sehen wir täglich, was ein gesundes, gut trainiertes Herz leisten kann. Und wir sehen, was es kostet, wenn Grenzen ignoriert werden. Leistungssteigerung ist möglich – durch Trainingssteuerung, Diagnostik und Prävention. Nicht durch Substanzen, die langfristig genau das schädigen, was Sportlerinnen und Sportler schützen wollen: ihr Herz.
Sie möchten wissen, wie Sie Ihre sportliche Leistung sicher und herzgesund steigern können? Unsere Einschätzung erfolgt immer auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und individueller Diagnostik. Jetzt Termin vereinbaren
Frimmer V. Enhanced Games: Was die „Doping-Spiele" für den Breitensport bedeuten. Deutsches Ärzteblatt. 2026;123(9):A524–525.
